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Was das Ende von Style Me Pretty für die Hochzeitsbranche bedeutet

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Der Hochzeitsblog Style Me Pretty stellt zu Ende April seinen Service ein und wird nicht mehr online verfügbar sein. Was bedeutet dieses Blog-Aus für die anderen Onlinemedien? Und was sagt es über die Entwicklung der Branche aus, wenn selbst der größte Hochzeitsblog, die Nr. 1 der Welt, vom Markt geht? Stellte doch auch kürzlich The Pretty Blog aus Südafrika nach acht Jahren seinen Blog-Betrieb ein und verlegte das Posten gänzlich auf Instagram und Facebook.

+++ Update: Zwischenzeitlich wurden die Instagram-Postings von Style Me Pretty und Abby Larson zu diesem Thema gelöscht und Style Me Pretty wird nun wieder von seinen urspränglichen Gründern betrieben. +++

Dienstagabend ging nach diesem Posting durch die sozialen Medien ein großes – sagen wir es ganz offen: WTF?! Und nach dem ersten Entsetzen kam natürlich sofort die Frage auf: Warum? Selbst für Gründerin Abby Larson, die nach zehn Jahren ihren Blog verkauft hatte, kam diese Entwicklung wohl sehr überraschend.

Läutet das Ende von Style Me Pretty das Ende der Blog-Ära ein?

Nein, tut es nicht.

Veränderungen gab es bereits in den letzten 2-3 Jahren und diese hatten durchaus auch Auswirkungen auf die Branche, die Vermarktungsstrategien und somit auch auf die Hochzeitsblogs. Die Veränderungen und somit auch die Herausforderungen werden sicher nicht weniger oder einfacher werden, sondern noch komplexer und aufwendiger.

Das Ende von Style Me Pretty darf man auch nicht auf alle Blogs übertragen, denn Style Me Pretty ist ein Unikat. Es war der erste Hochzeitsblog mit modernen und innovativen Ansätzen. Der Blog wuchs stetig, mehrere Hochzeiten pro Tag gefeatured und mit dem Einstieg von AOL als Investor in 2012 um die Sparte Style Me Pretty Living erweitert. Ein schlauer Schachzug, denn so konnte man die gewonnen Hochzeitskunden auch in anderen schönen Lebensmomenten weiter begleiten und dadurch neue Märkte erschließen. Dazu kommt das Magazin, die App und vieles mehr. So groß wie Style Me Pretty war und ist bis heute kein anderer Hochzeitsblog.

Style Me Pretty war ein riesiges Konstrukt mit vielen Mitarbeiter, viel IT und entsprechenden Kosten. Geld, dass Style Me Pretty wie jeder andere Blog durch Werbung einnehmen muss. Abby Larson erklärte 2015 in einem Cosmopolitan Interview, dass Style Me Pretty sich auf die klassische Weise mit Werbebanner und Branchenbucheinträgen finanziert. Kein Problem – wenn ein Blog Werbekunden anzieht, dann mit einer Reichweite wie Style Me Pretty. Aber vielleicht haben die Einnahmen nicht mehr gereicht. Vielleicht waren sie nicht so ertragreich, dass sie die Investorengruppe auf Dauer glücklich gemacht haben.

Vielleicht sind wie bei allen Blogs weltweit auch bei Style Me Pretty die Werbeeinnahmen in den vergangenen Jahren gesunken. Auf die Veränderungen im Nutzerverhalten und auf die Herausforderungen von Social Media zu reagieren, erfordert bei einem Blog dieser Größenordnung zudem eine Geld ausgeben zu müssen. Für die eigene Sichtbarkeit zu sorgen, bedeutet große Mengen an Werbebudget einzusetzen. Aber all das wissen wir im Fall von Style Me Pretty nicht und können nur mutmassen.

Fakt ist: Es geht mit Style Me Pretty eine Inspirationsplattform vom Markt, die in den vergangenen zwölf Jahren die Branche geprägt hat. Ein Feature auf Style Me Pretty war der weltweite Ritterschlag eines Hochzeitsdienstleisters. Paare, deren Hochzeit auf Style Me Pretty gefeatured wurden, erinnern sich voller Stolz an diesen Tag.

Fakt ist auch: Es gehen mit dem kompletten „Shut-down“ auch jede Menge Artikel mit Links, Empfehlungen und Marketingmöglichkeiten der Branche flöten. Welche Auswirkungen das haben wird, lässt sich nun noch nicht absehen. Man kann nur hoffen, dass SMP nicht der einzige Werbekanal einiger Hochzeitsdienstleister ist. Für die Branche ist es jedenfalls ein herber Verlust.

Und was bedeutet das Ende von Style Me Pretty für die deutschsprachigen Hochzeitsblogs? 

Es liegen ziemlich turbulente Zeiten hinter uns deutschsprachigen Bloggern und eigentlich sind wir immer noch mittendrin. Die Mobilität des Internets und der wachsende Social Media Konsum insbesondere von Instagram (Stories), hat auch das Verhalten von deutschsprachigen Internetnutzern stark verändert.

Dabei ist nicht zu leugnen: Die stärkste Auswirkung der heutigen, starken Social Media Nutzung sind sinkende Besucherzahlen auf den Blogs. Eine sinkende Reichweite hat sinkende Werbebudgets zur Folge. Weniger Einnahmen, weniger Möglichkeiten. Wir lehnen uns hier nicht weit aus dem Fenster, wenn wir sagen, dass alle Blogs mit dieser Entwicklung zu tun haben.

Alle professionellen Hochzeitsblogs versuchen bestmöglich darauf zu reagieren. Auch im recht überschaubaren deutschsprachigen Markt muss man die eigene Sichtbarkeit mittlerweile mit hohen Werbebudgets sichern. Neue Einnahmequellen werden kreiert: Sei es mit einem eigenen Shop, einem Magazin oder anderen Produkten und Dienstleistungen. Kaum ein deutscher Hochzeitsblogger lebt alleine von seinem – besser: ihrem – Blog.

Müssen wir nun bangen, dass sich auch die großen deutschen Hochzeitsblogs wegen mangelnder Einnahmen und Rentabilität von ihrem ursprünglihen Kerngeschäft verabschieden? Nicht mehr, als wir es schon in den vergangenen zwei bis drei Jahren mussten. Sowieso gehen regelmäßig kleine und mittelgroße Blogs wieder vom Markt – wenn sich der zeitliche Aufwand einfach nicht mit dem Einkommen deckt. Dafür kommen regelmäßig neue Blogs hinzu. Der Markt ist und bleibt sehr dynamisch.

Ist Social Media nun die Lösung aller Probleme?

Wie bereits erwähnt: „The Pretty Blog“ hat vor wenigen Wochen den Blogbetrieb eingestellt und featured seitdem nur noch über Facebook und Instagram. Ein mutiger Schritt, der im Blick auf die Gesamtstrategie und Arbeit von Christine Meintjes auch Sinn macht. Übertragbar auf alle Blogs ist es jedoch nicht.

Der Erfolg von Social Media hat nichts mit Desinteresse gegenüber Blogs zu tun, ganz im Gegenteil – die Followerzahl vieler Blogs steigt in Social Media stetig an. Es ist vielmehr auch der Tatsache geschuldet, dass zahlreiche Leser heutzutage überwiegend über Social Media, insbesondere Instagram und Instagram Stories interessante Inhalte konsumieren. Das geht schneller, ist einfacher. Ist mobil.

Oft hängt auch die große Followeranzahl mit der Bekanntheit des Blogs zusammen – das eine bedingt also das andere. Wer einmal selbst ein eigenes Instragm-Account aufgebaut hat, weiss wie schwer es ist, sich eine große Leserschaft ohne Werbung und Fankauf aufzubauen.

Mit Inhalten einen Nutzwert schaffen – auf Blogs und via Social Media

Natürlich könnten nun auch alle Hochzeitsblogger ihre Inhalte einfach nur noch auf Instagram posten und mit dem entsprechenden Hashtag versehen. Aber ist das weniger Arbeit? Mehr schnell verdientes Geld? Auch in Social Media werden sich auf Dauer doch die Postings am besten durchsetzen, die einzigartig, individuell und mit guten Inhalten gefüllt sind.

Guter Content gewinnt immer.

Allerdings bieten Blogs einen entscheidenden Vorteil gegenüber Social Media: SEO! Die Vielzahl von Artikeln können über Google über Jahre hinweg gefunden werden. Stories wandern nach 24 Stunden ins Nirvana oder bestenfalls in die Highlights.

Eine Hochzeitsreportage ausschließlich auf wenige Bilder einzudampfen? Wie vermittelt man die Inhalte eines Serviceartikels in einer Story? Wir sind überzeugt, dass Hochzeitsblogs auch weiterhin existieren werden. Weil es  bei der Hochzeitsorganisation um umfangreiche Inhalte geht, mit denen Planung erleichtert wird, mit dem Brautpaare Geld sparen können und noch viel mehr. Bei organisatorischen Themen wollen die Leser zahlreiche und handfeste Infos und dafür besuchen sie auch weiterhin Blogs, die die entsprechende Plattform für diese Inhalte bieten. Zudem sind es Nischenthemen, also die Spezialisierung auf wenige Themengebiete, die es daneben  interessant für die Leser – und somit auch für Werbekunden.

Lernen und Weitermachen.

Das Ende von Style Me Pretty steht aus unserer Sicht nicht für das Ende der Blog-Ära, denn wir vermute eine rein wirtschaftliche Entscheidung der Investoren. Aber es ist ein guter Anlass, um auf unseren Hochzeitsmarkt zu blicken und anzuerkennen, wie groß die Herausforderungen sind, denen sich alle Hochzeitsblogs und auch alle anderen Anbieter stellen.

Der Blick auf den Markt verdeutlicht uns, wie wichtig es ist, dass Nutzerverhalten unserer Zielgruppe zu kennen und Entwicklungen vorauszusehen, um professionell auf sie reagieren zu können. Es verdeutlicht, wie wichtig es ist, dass wir so gesund wachsen, dass wir dabei agil bleiben, um auf alle Veränderungen schnell und effizient reagieren zu können.

Aber vor allem zeigt es uns, dass hierzulande qualitativer Content auf Hochzeitsblogs wichtiger ist als je zuvor. Denn schöne Bildern auf Instagram & Co zu posten ist wichtig, aber nur wer gute Geschichten erzählt und qualitative Inhalte bietet kann, wird die Leser tatsächlich gewinnen.

 

 

 

Photo by Sweet Ice Cream Photography

7 Kommentare

  1. Sehr schön zusammengefasst Mädels! Da kann ich nichts hinzu fügen.
    Lg Katja

  2. Sarah sagt

    Leider berichten die meisten Hochzeitsblogs und Magazine nicht mehr über die spannendsten Trends, Produkte und Dienstleister, sondern nur dann wenn dafür bezahlt wird. Wo ist der journalistische Anspruch geblieben und die Liebe zum Leser? Der Leser oder besser die Leserin wird durch die ganzen gekauften Placements manipuliert und nicht mehr informiert. 1 Advertorial ist total okay, wenn ihm 4 Beiträge ohne Sponsoring folgen. Sorry, aber da haben einige den Hals nicht voll genug bekommen und ringen jetzt nach Luft. Absehbar und schade.

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